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Werkstattgespräch zum Projekt "Fahrräder für Afrika" am 03.11.2009
"Die Menschen hier lieben das Fahrrad." Aimable Butera, Vorstand im Projekt "Mwene Muntu" (Der humane Mensch) in Butare, Ruanda, hebt die Bedeutung der Fahrräder für die vom Genozid gezeichnete Bevölkerung hervor. Das Fahrrad ist Fortbewegungsmittel, Transportmittel und als Sportgerät ideeller Stifter einer gemeinsamen Kultur. Diese und andere Sätze in seinem Vortrag und auch in dem gezeigten Dokumentarfilm beindruckten die rund 25 Teilnehmer des Werkstattgespräches am 03.11. im Radhof Bergheim.
"Werkstattgespräch", das hatte eine mehrfache Bedeutung. So stellte Martin Rachfahl, Leiter der Fahrradwerkstatt, die Arbeit des Radhofs Bergheim in Heidelberg dar. Hier werden Fahrräder von ehemals langzeitarbeitslosen Menschen gesammelt und wieder aufgearbeitet. Noch verwertbare Teile werden wiederverwendet und nach einer Funktionsprüfung als Ersatzteile genutzt, die Reste werden sortenrein recycelt.
In der Werkstatt werden auch die gespendeten Fahrräder für Afrika fit gemacht. Das Projekt besteht seit 2006. Drei Schiffscontainer konnten bereits mit Fahrräder und Ersatzteilen gefüllt und nach Afrika verschickt werden. Es arbeitet auch so erfolgreich, weil viele Bürger in Deutschland ihre nicht mehr genutzten Fahrräder im Keller, dem Projekt spenden, so Jörg Schmidt-Rohr, Geschäftsführer beim VbI. Schmidt-Rohr bedankte sich auch besonders für den Besuch der Gäste aus Ruanda. Sie schilderten eindrucksvoll die Bedeutung des Fahrrads für die Bevölkerung. Das Fahrrad ist positiver Teil der Tradition der Gesellschaft. Einer Gesellschaft, die durch den Massenmord im Jahr 1994 an ca. 800000 Menschen, also 10% der Bevölkerung, traumatisiert ist.
In Butare werden die Fahrräder an die arme Bevölkerung weitergegeben. Auch dort arbeitet eine Fahrradwerkstatt. In ihr werden Jugendliche zum Fahrradmechaniker ausgebildet. Organisiert wird dies durch den Trägerverein Mwene Muntu. Der Kontakt zwischen Heidelberg und Butare besteht schon länger. So schilderte Stefan Pucher, Vorstand im Verein FÖLT das erste Projekt bei dem Kriegswaisen als Teilnehmer in der Landwirtschaft angesiedelt wurden.
Die anschließende Diskussion, die wie die gesamte Veranstaltung von Tim Sann für die ruandischen Gäste simultan ins Französische übersetzt wurde, behandelte auch die gemeinsamen Erfahrungen durch einen Massenmord an der eigenen Bevölkerung. Hier der Massenmord an der jüdischen Bevölkerung. In Ruanda der Massenmord, dem ca. 75% der Bevölkerungsminderheit Tutsi zum Opfer fielen. Diskutiert wurde auch über die Möglichkeit, den Frauenanteil im Projekt zu erhöhen sowie die weitere Verbreitung des Projektes in Ruanda.
Das Werkstattgespräch endete nach drei Stunden. Der selten mögliche Austausch zwischen Ruanda und Deutschland wurde zu einem gemeinsamen Höhepunkt von "Fahrräder für Afrika", für den sich Martin Rachfahl bei allen Beteiligten bedankte.
Weitere Informationen oder (Fahrrad-)Spenden: Radhof Bergheim Telefon 06221 6599452.
Website vom Radhof Bergheim
Website vom Fölt e.V.
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